Hand in Hand(werk)

Die fast silbernen, fast roten oder nahezu blauen Fotografien konzentrieren den Blick auf das Sichtbare: Meist farbige Flächen, durch vertikale Linien strukturiert, mit einem erstaunlich sicheren Gefühl für Maß, für formale und farbige Proportionen. Der erste Blick verrät nichts von der Raffinesse des Effekts, denn es sind reale Objekte, die abgebildet werden. Gegenstände, Materialien aus dem Bestand der Firma Schilder-Schulz, mit der Kerstin Hesse hier in enger Zusammenarbeit mit Sandra Steinnagel kooperiert.

Die Objekte, von der Künstlerin verfremdend arrangiert, isoliert vom funktionalen Kontext, in Details oder überdimensioniert fotografiert können zu ihrem gegenständlichen Ursprung zurück verfolgt werden. „Sehendes Sehen“ erschließt dem Betrachter die Banalität der hochstehenden Folienrollen, der Instrumente aus dem Arbeitsbereich, so wie Warhols „grosse zerrissene Campbell´s Suppendose“ auf den banalen Gebrauchsgegenstand verweist.

Die Chance, aus dem Trivialen eine ästhetische Komposition zu entwickeln und zugleich die Seh-Erfahrung des Betrachters zu erweitern, macht den Reiz dieser Ausstellung aus. Die visuellen Erfahrungen der Künstlerin finden ihren Niederschlag in den monochromen Bildflächen, streng architektonisch geprägt, die einen fühlbaren spirituellen Gehalt aufweisen und dem Betrachtenden durch die farblichen Visionen eine fast meditative Haltung nahe legen. Eben: „Handwerk ist Werk von Hand, beseelt vom Herzen, geleitet vom Verstand.“

Die Fotos wurden in einem aufwendigen Verfahren auf Alu-Dibond oder Acryl gedruckt und wurden in den Räumen von Schilder-Schulz ausgestellt. Neben den 20 großformatigen und 10 kleineren Fotografien bot eine Beamer-Installation Einblick in die Arbeit der Künstlerin.

Kerstin Hesse hat sich in ihrem künstlerischen Entwicklungsprozess vor allem mit Zeichnungen, aber auch Bildhauerei, Installationen, Performancearbeiten, zuletzt aber vor allem mit fotografischen Arbeiten beschäftigt. Es ist ihre vielleicht gelungenste, reifste Ausstellung.

Dr. Berhard Kühmel, Juli 2011